Wasserschlag eines Hammerwerks

Gewerbe am Weizbach

Die Gründung und Anlage von Weiz am gleichnamigen Bach, der hier mehrere Nebenarme bildete, hatte viele Vorteile und wurde später auch Anlass seiner Entwicklung zum Industrieort.

Der Weizbach und seine Nebenarme durchströmten ursprünglich eine Aulandschaft mit Erlen- und Weidenbestand, daher hießen durch Jahrhunderte alle Besitzungen nördlich der alten Marktflur „im Weidach“, die südlich davon gelegenen „im Erlach“. Eine Besonderheit ist ferner, dass der Weizbach auf lange Strecken auch in strengsten Wintern eisfrei bleibt, was wohl auf den starken Zufluss mit einer durchschnittlichen Mächtigkeit von 300 Sekundenlitern aus Quellen in Naas zurückgeführt werden kann. Sein Wasser entspringt einer Karsttiefenquelle und weist eine Jahresdurchschnittstemperatur von ca. 9° Celsius auf. Es gab daher günstige Voraussetzungen zur vielfältigen Nutzung des Wassers und der Wasserkraft von altersher für Weiz.

Die Mühlenwirtschaft am Weizbach begann bereits vor der Gründung des Marktes Weiz im 12. Jahrhundert. An seinen Seitenarmen wurden die ersten Herrschaftsmühlen errichtet, die Hofmühle der Burg Weiz (Castrum Wides) und die der Burg Radmannsdorf. Mühlen gewannen auch nach der Gründung des Marktes an Bedeutung, da nun auch die Bäcker des neuen Marktes bestrebt waren, Mühlen in ihren Besitz zu bekommen. Weiters gab es andere Handwerker und Gewerbe wie die Schmiede, Lederer und Brauer für die das Wasser eine berufliche Notwendigkeit bedeutete. Die nach dem Katastralplan vom Jahre 1823 angefertigte Skizze versucht die Nutzung des Weizbachs innerhalb des 1770 als Konskriptions- und spätere Katastral- oder Steuergemeinde geschaffenen Stadtgebietes von Weiz zu veranschaulichen, nachdem die grundherrschaftlichen Gebiete der ursprünglich bescheidenen Marktflur angegliedert worden waren.

Übersicht über am Weizbach genannte Betriebe und deren Zugehörigkeiten

Mühlen

„Im Weidach“ lag die Hofmühle der Burg Radmannsdorf, die zum Schreihansenhof, dem durch Teilung entstandenen Restmeierhof der Herrschaft gehörte. Nach dem Bau einer neuen Herrschaftsmühle für das Schloß Radmannsdorf (1560) wurde die alte Mühle aufgegeben. Das Gebäude ging sicher in der Hammerwerkssiedlung im Weidach aus.

„Im Werd zu Weiz, da der Werder aufsitzt“, heißt es 1403, lag eine herrschaftlichen Mühle, die den Stubenbergern gehörte und später mit einer Walchstampf verbunden war. Diese Mühle wurde 1913 vom Oberhausermüller Schwarz stillgelegt und später für Gebäude der Elin abgetragen.

Ebenfalls auf dem Werder und noch außerhalb der alten Marktflur wurde von Otto von Radmannsdorf nach 1560 eine Hofmühle für das neue Schloß Radmannsdorf erbaut. Anläßlich der Auflassung der Schloßgutswirtschaft im Jahre 1697 wurde sie von Georg Gröss, Bürger und Bäcker zu Weiz gekauft. Sie ist heute als die moderne Pichler-Mühle bekannt.

1542 wird eine bürgerliche Mühle ebenfalls im Besitz eines Bäckers genannt. Es handelt sich wahrscheinlich um das Haus Südtirolerplatz 4, das älteren Weizern noch als die Haasmühle in Erinnerung sein wird. Die nächste Mühle wasserabwärts war die spätere Mautmühle mit drei Gängen der Herrschaft Oberfladnitz. Ihre Baulichkeiten sind abgetragen.

Nun kommen wir zur ältesten Mühle innerhalb der alten Marktflur, zur Hofmühle der Burg Weiz. Heute steht auf dem Platz das Haus Mühlgasse 1. Hier stand die „Pruggenmühle“, 1403 hieß die Mühle „beim Stubhan“; sie war meist von Weizer Bürgern und Bäckern in Pacht.
Nicht weit unter dieser ursprünglichen Herrschaftsmühle wurde später eine bürgerliche Mühle erbaut, heute Mühlgasse 13, die noch im alten Grundbuch verzeichnet ist und erstmals 1542 im Besitz eines bürgerlichen Bäckers genannt wird.

Die nächste und letzte Mühle lag bereits ausserhalb der Marktflur. Sie stand laut Bistumsurbar von 1295 auf dem Grundkomplex des Pfarrers vom Weinberg und ist heute die stillgelegte Heidenbauermühle mit der zur Bäckerei Zorn gehörigen Liegenschaft.

Hammerwerke

Die zweite Werkgruppe, welche die Wasserkraft für ihre Arbeite nutzte, waren die Schmiede. Seit dem Mittelalten pochten die schweren, von Wasserrädern gehobenen Hämmer der Schwert-, und Klingenschmiede, der Hacken- und Zeugschmiede, später der Sensen- und Sichelschmiede im Weidach nördlich vom Markt.

In den Schleifen wurden die Werkstücke poliert. Sie nahmen dann den Weg in die weite Welt und bestätigten immer wieder den guten Ruf, den die Arbeit der Weizer Hammerschmiede genoss.

Bis ins 16. Jahrhundert sind Hammerschläge und Schleifmühlen urkundlich auch „im Erlach“ nachweisbar, von denen einer in das Mittelalter zurückreichen dürfte. Auch hier werkten Hacken- und Zeugschmiede, formten geschickte Hände der Rohrschmiede das Eisen zu Büchsenläufen und Nagelschmiede zu Nägeln. Selbst Schiffsanker wurden in einem Werk hergestellt und nahmen von Triest aus den Weg über die Meere.

Auf einen kleinen Wasserschlag in der Mühlgasse sei noch hingewiesen. Er erleichterte dem bürgerlichen Feilenhauer seine Arbeit.

Sägen

Mit Wasserkraft wurden auch Sägen betrieben.Zwei Brettersägen werden bereits im 16. Jahrhundert urkundlich genannt. 1533 eine Säge bei einem Hammer im Erlach und 1542 eine zweite zugleich mit der Mühle und der Stampf in der Mühlgasse (13).

Gerber und Brauer

Zum Wasser drängten nicht nur Müller und Hammerschmiede, sondern auch die Lederer. Da sie zu ihrer Arbeit viel Wasser benötigten, finden wir ihre Produktionsstätten in Weiz am ehemaligen Mühlgang. Man unterschied Lohgerber und Weißgerber. Schon 1403 sind drei bürgerliche Lederer genannt, 1582 gab es deren acht. Ab dem Jahre 1770 kommt auch ein bürgerlicher Weißgerber im Hause Lederergasse 5 vor. Weiterer Ledererhäuser waren die Häuser 1 und 11 der Lederergasse, ferner Südtirolerplatz 2 und die ehemaligen Häuser 9 und 11 der Elingasse; letztere waren nichtbürgerliche, sondern der Herrschaft Gutenberg untertänige Betriebe.

Noch ein Handwerk errichtete vorzugsweise seine Arbeitsstätte unmittelbar am Wasser, der Brauer. Ein solcher ist uns ab dem 19. Jahrhundert in der Birkfelderstraße 2 bekannt. Heute erinnert nur die Bezeichnung der Gastwirtschft „zum Brauhaus“ an die einstige Brierbrauerei.

Handwerk und Gewerbe unterliegen seit Jahren einem tiefgreifenden Strukturwnadel, der sich im Stillen vollzieht und auch weiterhin andauert. Neue Werkstoffe brachten neue Produktionsmethoden und Werkstätten. Traditionsreiche Handwerke werden von der Industrie verdrängt. Von acht im Gemeindegebiet vorhandenen Mühlen besteht nur die heute modernst arbeitende Pichler-Mühle. An die Stelle der Hammerwerke traten moderne Werkstätten zur Erzeugung von Freileitungsarmaturen und Stahlbaukonstruktionen. Die Lederergasse führt ihren Namen noch aus der Vergangenheit. Die Lederfabrikation ist längst an den südlichen Stadtrand übersiedelt. Dieser Wandel vollzog sich innerhalb eines Menschenalters. Nur der aufmerksame Beobachter erkennt an Gebäuden, an Straßen und Plätzen noch historische Kostbarkeiten, an denen er die Vergangenheit erahnen vermag.

(1907-2001) war Weizer und Lehrer aus Leidenschaft.
Besonderes Anliegen war ihm immer, wie er es nannte – ein volksbildnerisches Bestreben, auf die geschichtliche Vergangenheit unserer Heimat hinzuweisen.

In diesem Sinne werden hier auch seine Texte veröffentlicht, dass sie auch in Zukunft einer breiten Öffentlichkeit zugänglich werden, bzw. bleiben. Die Texte sind bis auf kleine Korrekturen in der Rechtschreibung unverändert gegenüber den Originaltexten. D.h. es kann sein, dass sie auch vom Stil her etwas antiquiert wirken.

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