Burgfried Ruine Sturmberg

Sturmberg

Ritterburgen, wehrhafte Klöster und befestigte Kirchen bestimmten einst hervorragend das Landschaftsbild unserer Heimat. Sie waren planvoll über das Land verteilt und bildeten zusammen mit den mauerumgürteten Städten als „Hofzaun des Reiches“ einen dreifachen Verteidigungsgürtel gegen Osten. Sie hatten aber nicht nur den äußeren Feind abzuwehren, sondern maßgeblich auch für die Aufrechterhaltung des Landfriedens im Inneren zu sorgen. Als Sitz einer Grundherrschaft waren sie Mittelpunkt der Verwaltung und mit der Niederen Gerichtsbarkeit, viele jedoch auch mit dem Blutbann und höchster Verantwortung ausgestattet. Die Grundherrschaften waren durch das Mittelalter bis tief in die Neuzeit Träger des Staatsgedankens und der Staatsgewalt überhaupt.

Zur Zeit der deutschen Landnahme im 11. Jahrhundert waren die ersten Burgen und Kirchen unserer Heimat gleich den Wohnstätten der bäuerlichen Siedler aus Holz errichtet. Nach der durchgeführten Rodungs- und Kolonisationsarbeit entstanden in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts Burgen und Kirchen aus Stein. In dieser Zeit lösten im Raum Weiz die neu gebaute Burg Gutenberg das Castrum Wides und die Veste Trennstein den erzbischöflich salzburgischen Meierhof zu Oberfladnitz als Herrschaftssitze ab. Neben diesen beiden Kolonisationszentren gab es noch eine Reihe ritterlicher Rodungsleiter, deren Namen als Zeugen in Urkunden aufscheinen. Auf sie gehen Ortschaften wie Hafning, Haselbach, Naas, Ponigl, usw. zurück. Doch scheinen ihre Geschlechter früh ausgestorben zu sein, ihre Ansitze oder Höfe können heute nur mehr erahnt werden. Drei Burgen haben sich im Norden und Osten von Weiz im ursprünglich erzbischöflich salzburgischen Rodungsgebiet über das Mittelalter hinaus erhalten. Es sind dies die Burgen Sturmberg, Oberfladnitz, umgebaut als Schloss Thannhausen, und Trennstein.

Die Steiermark besitzt eine hervorragende Sammlung von Stichen von Burgen und Schlössern aus der Zeit um 1680 im Vischer Schlösserbuch. Es enthält auch eine Ansicht der Veste Sturmberg. Wie das Bild zeigt, bestand sie aus Ober- oder Neu- und Unter- Alt- Sturmberg mit den zugehörigen Wirtschaftsbauten. Die Burgen lagen auf zwei felsigen Hügeln und dürften auf ältere als hochmittelalterliche Siedlungen zurückgehen, wie Scherbenfunde vermuten lassen. Sie kontrollierten einst die Fahrwege ins Bergland und riegelten wehrhaft das Weizer Becken gegen Norden ab.

Bergfried der Ruine Sturmberg
Bergfried der Ruine Sturmberg

Alt-Sturmberg war die Hauptburg der Gesamtanlage. Nach eingehenden Untersuchungen des heutigen Burgenbestandes durch Dozenten Dr. Ing. Werner Knapp im Jahre 1954 stammen die Gebäudeteile aus dem 14. bis 16. Jahrhundert. Der viergeschossige Turm oder Bergfried aus Feldsteinmauerwerk, dessen Kanten durch behauene Steinquader verstärkt sind, birgt noch heute das Maßwerk eines gotischen Fensters. Der Turmzugang befand sich etwa 5 Meter über dem damaligen Burgplatzniveau und war über Arkadengänge von zwei Gebäuden der Burg aus erreichbar. Ein drittes Gebäude wie einige kleine Nebenbauten innerhalb der Ringmauer und zwei kleine Höfe konnten festgestellt werden. Noch im 15. Jahrhundert dürfte der Rundturm an der Westecke der Umfassungsmauer angefügt worden sein.

Neu- oder Obersturmberg geht, wie Maueruntersuchungen ergeben haben, ebenfalls in das Mittelalter (12. Jahrhundert) zurück, so dass angenommen werden kann, dass schon früh die zwei Burgen von zwei Familien der Sturmberger bewohnt waren. Die Oberburg wurde im 16. Jahrhundert im Sinne der Renaissance zu einer Anlage mit vier Rundtürmen an den Gebäudeecken umgebaut und diente den Besitzern als Wohnburg. Eine Ringmauer mit Tor umschloss beide Anlagen, eine Wehrmauer verband sie.

Die Sturmberger werden urkundlich erstmals als Zeugen 1216 genannt, waren Lehensträger des Benediktinerinnenstiftes Göß bei Leoben, dann der Stubenberger, aber auch der Salzburger Erzbischöfe. Sie führten den Krebs in ihrem Wappen. Hermann von Sturmberg, der noch im Jahre 1437 genannt wird, war anscheinend der letzte seines Geschlechtes. Die beiden Burgen fielen im selben Jahr den mit den Sturmbergern verwandten Radmannsdorfern zu. Sie waren bis 1610 wohl das bedeutendste Geschlecht auf Sturmberg. Eine künstlerisch beachtenswerte, gotische Grabplatte in der Weizbergkirche für Otto III. zeigt sowohl das Wappen von Radmannsdorf mit den drei Hufeisen, wie das von Sturmberg mit dem Krebs im Felde. Er war der Begründer der Linie Radmannsdorf – Sturmberg. Im 17. Jahrhundert verfielen unter den neuen Besitzern sehr bald die beiden Burgen, so dass im 18. Jahrhundert nur mehr wenige Räume bewohnbar waren.

Franz Graf Kevenhüller erwarb Alt-Sturmberg zu Thannhausen und verkaufte an den Klingenschmied Franz Mosdorfer das eingemauerte Eisen um 30 Gulden, womit das Schicksal der Burgen besiegelt war. Der ältere Bau hat der Zerstörung einen stärkeren Widerstand entgegengesetzt als der jüngere. Obersturmberg war bereits 1718 durch Kauf unter Josef Graf Wurmbrand zur Herrschaft Thannhausen gekommen.

Hinter den Ruinen breitet sich ein ziemlich ebenes, mäßig gegen den nördlichen Waldhang ansteigendes Acker- und Wiesenland aus, das wohl in früheren Zeiten zur Nahrungsgewinnung der Altburg gedient hat; für die spätere Doppelburg war es zweifellos zu klein.

Sturmberg ist ein Beispiel, wie sein ursprünglicher Zweck, Siedlungsschutz zu sein, immer mehr und mehr in Vergessenheit geriet, zur Kapitalanlage und zum Versatzobjekt, ja bis zur Ruine herabsank.

(1907-2001) war Weizer und Lehrer aus Leidenschaft.
Besonderes Anliegen war ihm immer, wie er es nannte – ein volksbildnerisches Bestreben, auf die geschichtliche Vergangenheit unserer Heimat hinzuweisen.

In diesem Sinne werden hier auch seine Texte veröffentlicht, dass sie auch in Zukunft einer breiten Öffentlichkeit zugänglich werden, bzw. bleiben. Die Texte sind bis auf kleine Korrekturen in der Rechtschreibung unverändert gegenüber den Originaltexten. D.h. es kann sein, dass sie auch vom Stil her etwas antiquiert wirken.

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