Der erste Schlacherhammer in Weiz - Aussenansicht

Die Eisenhämmer im Erlach

Im Jahr 1770 trat mit der Bildung der Konskriptionsgemeinde das neue Weiz im heutigen Umfang zum ersten Mal in Erscheinung.
Es wurde aus der alten Marktflur und den Gründen der Herrschaften Gutenberg und Radmannsdorf, wie aus den Besitzungen der Kirche gebildet. An die kleine Marktflur schlossen sich im Süden die Grundstücke der Pfarre Weizberg und weiter die der Herrschaft Gutenberg an. Auf dem Grundkomplex des Pfarrers vom Weizberg wird schon früh im Bistumsurbar eine Mühle genannt, die Dechant Dr. Franz Riedleger an Anton Gaulhofer verkaufte. Die Mühle wechstelte öfter ihre Besitzer, bis sie von der Familie Heidenbauer erworben wurde. Es ist heute das Haus Mühlgasse 35.

Unterhalb davon, ebenfalls auf dem Grund des Pfarrers vom Weizberg lag schon im 16. Jahrhundert eine Hammerschmiede. Der älteste genannte Besitzer von „Behausung und Hammer“ ist Vinzenz Khempfnagel, „Schmied unter dem Markte Weiz“, der 1586 verstarb. Ihm folgte sein Sohn Christoph Khempfnagel. Als weitere Inhaber sind in den Urbaren der Pfarre Weizberg genannt: Georg Trieb (1640 – 1648), Wastl Feichtinger, ab 1666 Michael Feichtinger und ab 1683 Hans Kaindlhofer mit Haus, Hammer und Schmiede. Ihm folgte die Familie Alteneder und durch Einheirat 1800 Anton Steinhauser in den Besitz der behausten Hackenschmiede. Er errichtete auch eine Schleife. Im Lizitationsweg ging der Betrieb an Anton Haas und 1826 auf dessen Sohn Johann über. Im Jahr 1827 erwarb laut Kaufvertrag vom 20. April der Hackenschmiedemeister Josef Schlacher zu seinem Hammer in Unterfladnitz Haus, Hammer und Schleife und begründete damit den „Schlacher Hammer“ in Weiz.

Ein weiterer Hammerbezirk im Erlach bildete sich südlich davon auf dem Grunde der Herrschaft Gutenberg. Noch 1403 stand hier nur eine Säge, die damals die Weizer Bürgerschaft innehatte. Aber schon 1533 wird mit der Säge auch ein Hammer genannt. Dieser Hammer unterhalb von Weiz, der wahrscheinlich in das Mittelalter zurückgehen dürfte, da seine Errichtung zwischen 1403 und 1533 fällt, hatte bis 1590 die Besitzer Stephan Schlosser, Valthan Grundtner und Wolf Hafner. Er wird später als Rohrschmiedhammer bezeichnet. 1631 saß auf ihm der Büchsenschifter Peter Schmidt. Es wurden Pistolen- und Büchsenläufe sowie Ladstöcke für Gewehre erzeugt. Im 18. Jahrhundert erwarb die Rohrschmiede Anton Mosdorfer, der hier auch eine Schleife errichtete. Unter Balthasar Mosdorfer wurde an Stelle des Rohrschmiedehammers mit zwei Feuern und zwei Hammerschlägen ein Zerrennhammer mit einem Feuer und ein Streckhammer errichtet.

Die Hammerwerke bezogen von den Vordernberger Floßöfen die Flossen, das waren Eisenplatten, die in den Hammerwerken „ausgefrischt“ werden mußten, um daraus schmiedbaren Stahl zu gewinnen. Man nannte diesen Vorgang „Zerrennen“. Die weitere Ausschmiedung geschah dann in den Streckhämmern.

Das Werk besteht heute nicht mehr, nur das Wohnhaus Werksweg 40 ist umgebaut erhalten.

Am 16. Juni 1668 bewilligte der Sägeinhaber Matthias Frech dem Nagelschmied Vinzenz Zehrer „neben und bei dieser Sag einen Wasserschlag und Hammer … zu erbauen“. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts waren Behausung, Nagelschmiede, Hammer, Säge und Wasserschlag im Besitze des Josef Rochel. 1791 kaufte Anton Teißbacher den Betrieb, von diesem erwarb ihn 1801 Johann Eibner, der von den Weizer Bauern Gründe zwischen den Bächen dazukaufte. Auf ihn folgte 1838 sein gleichnamiger Sohn, dann 1854 Franz Hiller, 1857 Gräfin Franziska und 1858 Josef Graf Stubenberg. Im Jahre 1860 ging der Betrieb durch Kauf an Franz Schlacher über. Es waren dies die heute stillgelegte Säge und die 1971 eingestellte Zeugschmiede.

Der dritte der Herrschaft Gutenberg dienstbare Hammer unter Weiz dürfte kurz vor 1605 erbaut worden sein, in welchem Jahre er erstmals zinste. Er dürfte von Andrä Veith erbaut worden sein, der Hammer und Schmiede im Erlach innehatte. 1631 war Andrä Posch der Besitzer, hundert Jahre später Martin Brandhofer von Behausung, Hackenschmiede und Schleife. Dann folgten Josef Steinhauser, dessen zweite Frau nach seinem Tode Josef Schlacher ehelichte, der 1822 von den Weizer Bauern Gemeindegründe dazukaufte. 1824 übernahm Alois Mosdorfer Hacken- und Zeugschmiede mit vier Feuern und zwei Hammerschlägen, Schleifmühle, Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Bei einer Versteigerung 1843 wurde Franz Menitz Besitzer, 1853 kaufte Franziska Gräfin Stubenberg, 1860 Balthasar Mosdorfer die Liegenschaften. Das Wohnhaus ist heute das Haus Werksweg 62, Werks- und Wirtschaftsgebäude sind zu Wohnzwecken umgabaut (Werksweg 58 – 64).

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts herrschte im Erlach reges Treiben. Von den Fludern stürzte schäumend das Wasser auf die Schaufeln der mittelschlächtigen Wasserräder, die die Gebläse der Essen antrieben oder die schweren Schwanzhämmer zum pochenden Schlage hochhoben. Besonderer Produktionsschwerpunkt der Hammerwerke im Süden von Weiz war die Herstellung von Zeugware, das waren Werkzeuge für die Holzfäller, Flößer und Zimmerleute, für die Arbeiter an der Straße, im Bergbau, im Baugewerbe wie für die Landwirtschaft. Es wurden die verschiedensten Hacken und Beile, Sappel, Rindenschöpser, Krampen und Schlägel, Reit- und Karsthauen, Spanmesser, Maurerkellen und vieles andere mehr hergestellt. Die Werkzeuge bedurften je nach ihrer Anwendungsbestimmung einer besonderen Ausformung. Alleine bei den Hacken unterschied man die breite und die schmale Reisighacke, die Asthacke, die Aufsatzhacke, die Holzhacke, die Flößerhacke, das Zimmermannsbeil, das Tischlerbeil und die Binder – Waldhacke, um nur einige Formen zu nennen. Nach dem Bestimmungsland gab es wieder Sonderausführungen wie die Krainerhacke, die Siebenbürger Hacke, die Ungarische und die Serbische Holzhacke uvam.

Hammerwerk Innenansicht
Hammerwerk Innenansicht

Die Herstellung einer Hacke verlangte deshalb vom Schmied am Hammer, seinem Helfer an der Esse und dem Wassergeber, der die Bewegung des Hammers regelte, eine große Erfahrung, Fertigkeit und gewissenhafte Arbeit. Acht Arbeitsgänge waren einst erforderlich, um eine Hacke zu erzeugen. Erst wurde ein Stück weiches Eisen mit geringem Kohlenstoffgehalt für die Wangen der Hacke ausgeschmiedet. Dieses Flacheisenstück wurde U-förmig gebogen, in das dann ein Stahlstück mit höherem Kohlenstoffgehalt als eigentlicher Hackenkörper eingeklemmt und verschweißt wurde. Nun erhielt die Hacke in weiteren Arbeitsgängen durch Überschmieden ihre endgültige Form. Am nassen Stein wurde sie geschliffen. Die für den Transport fertiggestellten Hacken wurden in Fässer verpackt. Waren sie für die Karpatenländer, Siebenbürgen oder die Balkanländer bestimmt, so nahmen sie vor dem Bahnbau ihren Weg auf schweren Wagen über schlechte Straßen nach Raab in Ungarn, um im Donauhafen auf Schiffe umgeladen zu werden. Donau abwärts und die Theiß aufwärts erreichten die Hacken so ihren weiteren Umschlagplatz, um endlich an ihren Bestimmungsort zu gelangen.

Später, als dann Material gleichmäßiger Güte zur Verfügung stand, wurden die Hacken aus einem Stück geschmiedet. Bahn und Autotransport lösten das alte Frachtsystem ab.

Über die Jahrhundertwende pochten noch die Hämmer in den Zeugschmieden der Familie Schlacher. Nun sind sie seit 1971 verstummt, die alten Wasserführungen seit 1973 zugeschüttet und eingeebnet. Die alten von Wasserkraft betriebenen Hämmer gehören der Vergangenheit an, sind Geschichte geworden.

Wasserschlag eines Hammers
Wasserschlag eines Hammers

Es sind über 190 Jahre vergangen seit der Hackenschmiedemeister Josef Schlacher zu seinem Betrieb in Unterfladnitz der ersten Hammer im Erlach in Weiz erwarb und den Erzeugnissen sein Firmenzeichen, die Fischgräte, einprägte. Sein Sohn Franz, in der Weizer Zunft inkorporierter Hackenschmiedemeister, vergrößerte den Betrieb durch Zukauf des Gutenberger Hammers im Jahre 1860. Johann Schlacher war nicht nur ein tüchtiger Gewerke, er war ein Jahrzehnt Bürgermeister von Weiz. In dieser Zeit wurde das heutige Rathaus als Sparkassengebäude und die Volksschule in der Europaallee gebaut. In seine Amtsperiode fiel auch der Bau der Bahnlinie nach Birkfeld und der Erste Weltkrieg. Gewerke Ernst Schlacher trat 1925 kein leichtes Erbe an. Der Verlust der alten Absatzmärkte durch den Zerfall der Monarchie, die folgende Inflation, die fortschreitende Industrialisierung und der Zweite Weltkrieg hemmten eine wirtschaftliche Entfaltung. Trotzdem wurde noch einige Zeit versucht mit Qualitätsprodukten, wie der „Tannenbaum-Spezialhacke“ und mit Erzeugnissen der Marke „Tiger“ konkurrenzfähig zu bleiben.

(1907-2001) war Weizer und Lehrer aus Leidenschaft.
Besonderes Anliegen war ihm immer, wie er es nannte – ein volksbildnerisches Bestreben, auf die geschichtliche Vergangenheit unserer Heimat hinzuweisen.

In diesem Sinne werden hier auch seine Texte veröffentlicht, dass sie auch in Zukunft einer breiten Öffentlichkeit zugänglich werden, bzw. bleiben. Die Texte sind bis auf kleine Korrekturen in der Rechtschreibung unverändert gegenüber den Originaltexten. D.h. es kann sein, dass sie auch vom Stil her etwas antiquiert wirken.

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