Kreative Innenstädte

Kreativwirtschaft zur Innenstadtbelebung?

Anfang Februar erschien auf heise.de ein Artikel über eine Amerikanische Studie, die sich damit auseinandersetzt, welche Teile der Bevölkerung welche Teile einer Stadt besiedeln und welche Entwicklungen es dabei in den letzten Jahren zu beobachten gab.

Kurz zusammengefasst können folgende Entwicklungen beobachtet werden:

Während im Industriezeitalter Reiche Menschen in die Vororte zogen und der Wohlstand gleichsam mit geringer werdender Bevölkerungsdichte pro Fläche zunahm, so ist hier mittlerweile eine Trendumkehr zu beobachten. Ärmere Menschen können sich das Leben in zentralen Stadtlagen kaum noch leisten und flüchten gleichsam in die Vororte. Gleichzeitig werden leerstehende Industrieflächen in den Städten, oder auch durch die Abnahme der Bevölkerung nicht mehr gebrauchte Verkaufsflächen von Menschen genutzt, die der Kreativwirtschaft zuzuordnen sind. In der Studie geht man davon aus, dass ca. ein Drittel der arbeitenden Bevölkerung der Kreativwirtschaft zuzuordnen ist. Ich würde das im deutschen Sprachraum etwas anders sehen und vielleicht von einem Drittel WissensarbeiterInnen sprechen, die aber nicht nur Kreativwirtschaft nach meinem Verständnis nach sind. Man könnte diese Menschen vielleicht auch als eine neue Bohéme betiteln.

Was macht Innenstädte für Kreative so interessant?

Laut dem oben genannten Artikel verschmelzen bei Wissensarbeitern immer mehr die Bereiche Arbeiten, Wohnen, Konsum und Freizeit. Das heißt sie arbeiten viel und lange, aber auch so flexibel wie möglich. Das heißt es sollten möglichst alle Bedürfnisse des Lebens schnell erreichbar, beziehungsweise überall verfügbar sein. Genau das ist meistens in den Stadtzentren gegeben.

Gelten diese Thesen auch in Ästerreich?

Ich behaupte ja, größtenteils kann man das auch auf Ästerreich umlegen. Vielleicht mit etwas anderen Voraussetzungen, da wir in Ästerreich keine Stadt haben, die wir mit Washington, San Francisco oder New York City vergleichen können, aber auch in Ästerreich, oder vielleicht brechen wir es noch weiter auf meine persönliche Lebenssituation in der Oststeiermark herunter, stehen viele Städte vor dem Problem, dass die Innenstädte immer mehr aussterben und nahezu jeder Bürgermeister darüber jammert, dass wieder ein Geschäft geschlossen hat, beziehungsweise auf der grünen Wiese, vielleicht in der Nachbargemeinde, neu gebaut hat.

Wenn in einer Kleinstadt davon sprechen, dass Geschäftslokale leerstehen, so kann das natürlich viele Gründe haben. Einer ist aber sicher der, dass moderne Mainstream – Geschäftsphilosophien, selten in alten Geschäftsräumen umsetzbar sind. In vielen Altbauten ist es schon schwierig eine Barrierefreie Eingangssituation zu schaffen, sprich es sind Stufen vorhanden und eine Automatische Schiebetür ist baulich schwer unterzubringen. Dies trägt neben vielen anderen Faktoren dazu bei, dass sich Handelsbetriebe aus den Innenstädten zurückziehen und dorthin gehen, wo auch schon immer Handel stattgefunden hat, an die Hauptverkehrswege. Übrig bleiben leerstehende Geschäftslokale mit denen viele Besitzer nicht so recht wissen, was sie damit anfangen sollen.

Auf der anderen Seite gibt es viele Wissensarbeiter, oder auch handwerklich kreative Menschen, die am Beginn ihres Unternehmer – Daseins nicht viel mehr brauchen, als ein nettes kleines Büro, und eine Umgebung und diese zeigt sich immer mehr ist besonders wichtig, in der sich andere Kreative aufhalten bzw. niedergelassen haben.

Was brauchen Kreative?

  • Infrastruktur, als erstes natürlich leistbare Büroflächen, gute Anbindung an die weite Welt, sowohl was die Internetverbindungen, als auch den Äffentlichen Verkehr angeht.
  • kreatives Umfeld, viele UnternehmerInnen, egal welcher Branche haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen, je mehr Austausch untereinander stattfinden kann, desto leichter tut sich jeder selbst. Ideal sind auch Orte wie Kaffeehäuser und andere Lokale in denen dieser Austausch stattfinden kann.

Natürlich könnte man die Liste noch viel detailreicher gestalten, aber sie soll auch nur einmal einen ersten Denkanstoß geben und ich kann hier schon versprechen, dass es hier auf fth-online.net noch einige Artikel zu diesem oder ähnlichen Themen geben wird.

Konklusion

Ich glaube, dass auch bei uns in Ästerreich in den Kleinstädten ein Umdenken, oder zumindest ein Nachdenken darüber stattfinden sollte, ob es wirklich sinnvoll ist Innenstadtbelebung mit klassischen Handelsformaten erzwingen zu wollen. Ich will Politiker aller Parteien ermutigen sich mit ihren Kreativen ihrer Gemeinde, ihrer Stadt an einen Tisch zu setzen und Lösungen zu erarbeiten, wie man mit den Entwicklungen in der Stadt künftig umgehen will, und wie Alternativen zu den bislang eher erfolglos wirkenden Methoden aussehen können.

FTH
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