Römischer Grabstein Titulus

Auf römerzeitlichen Spuren

Auf römerzeitlichen Spuren

Römerzeitliche Inschrift- und Reliefsteine, Gebäudefundamente aus Stein oder Ziegel von Wohnanlagen oder Kultstätten, Kleinfunde wie Gefäße aus Ton oder Glas, Geräte und Münzen sind für die heimatkundliche Forschung kostbare Dokumente. Leider ging so mancher Fund unbeachtet und unerkannt der Nachwelt verloren. Erst seit der Gründung des Joanneums durch Erzherzog Johann begann im Lande eine systematische Aufzeichnung und Sammlung. Wie zahlreich die Orte mit Funden aus der Römerzeit im erweiterten Weizer Raum sind, veranschaulicht die Karte.

Die Stadt flavia Solva an der Sulmmündung, um das Jahr 70 gegründet, war Verwaltungszentrum für das Gebiet zwischen Koralpe und Lafnitz. Von ihr führte eine Poststrasse mit mehrerern Stationen die Mur aufwärts. Im Grazerfeld zweigte eine Straße über die Rieß ins Rabnitztal ab und erreichte bei Gleisdorf die Raab. Hier lag die größte römische Siedlung im Weizer Bezirk.

Gleisdorf ist schon seit dem 19. Jahrhundert als bedeutender Fundort römischer Altertümer bekannt. In den Jahren 1925 und 1938 wurden unweit des Friedhofes reste frührömischer Bauten entdeckt. Ein ausgedehnter heiliger Bezirk wurde 1948 auf der Anhöhe der nahen Ziegelei freigelegt; die Wohnungen der Priesterschaft, acht kleine Heiligtümer unbekannter Gottheiten. Zwischen den Häusern und Heiligtümern lagen verstreut die Gräber. In einem Tongefäß lag noch der Leichenbrand, in den übrigen gefäßen befanden sich Speisen und Getränke, die man dem Toten mitgab, fast stets eine Münze als Fahrtgeld über den Styx in die Gefielde der Unterwelt. Balsamfläschchen aus Glas enthielten noch Reste von Salben. In einem Doppelgrab wurde neben anderen Beigaben ein Silberspiegel gefunden. Der vorzügliche Lehm wurde in der Töpferwerkstätte zu gefäßen verarbeitet und in den Äfen der Siedlung gebrannt. In den schweren Kriegsjahren, die mit dem Tode des Kaisers Marc Aurel in Vindobona (Wien) im Jahre 180 ihren Abschluss fanden, ging die Siedlung aud der Terrasse von Gleisdorf zugrunde.
Dass auch die Höhe von Freiberg besiedelt war, beweist ein römischer Grabinschriftenstein im Korridor des Schlosses, der hier 1658 ausgegraben wurde.
An der Westseite der Pfarrkirche von St. Ruprecht ist das Grabmal eines römischen Soldaten der X. Legion eingemauert. Diese Einheit hatte nach der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts mit der XIV. Legion im Raab- Feistritz- und Safental ihre regelmäßigen Standquartiere. Römische Münzen aus der Zeit der Kaiser Tiberius, Nero, Gordianus III. und Konstantin sind weitere Funde im Raume von St. Ruprecht.

Besonders reich an römerzeitlichen Kleinfunden war das Fladnitztal. In Neudorf wurden Krüge, Schalen und weiter Gefäße aus Ton neben Bronzemünzen aus der Zeit Diokletians sicher gestellt.

Folgen wir nun dem alten Römerweg über Farcha, Regerstätten und Krottendorf gegen Weiz. Schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts grub man in Regerstätten das Sockelrelief eines römischen Grabsteines aus, das heute in der Kirchplatzmauer am Weizberg eingefügt ist. Der K.k. Feldarzt Eduard Richter berichtet 1858 aus Weiz über Antiken, Münzen Geschirre und Ziegeltrümmer und erwähnt dabei dabei den Grabhügel oder Tumulus an der Straße von Regerstätten nach Krottendorf. Beide Ortschaften sind als fundstätten von Münzen aus den Zeiten des Augustus, Vespasian, Domitian, Aurel und der Constantine bekannt.

Unweit der heutigen Wegscheide wird sich der Weg gegabelt haben. Ein Weg führte zur Siedlung jenseits des Weizbaches, von der die Römersteine an der Taborkirche und verschiedene Kleinfunde zeugen, ein weiterer zur Siedlung von Thannhausen, von der ein Weihestein an Gott Jupiter, Ziegel der Bodenheizung und des Pflasters, Ällampen und Münzen im Schloss aufbewahrt werden. Möglicherweise führte ein dritter auf die Höhe des Weizberges. Eine kanelierte Säule aus dem Weizer Raum befindet sich im Landesmuseum. Leider ist ihr genauer Fund- bzw. Standort unbekannt.

Vielleicht stammt sie von einem Kultbau am Weizberg.

Auch die Umgebung ist reich an römerzeitlichen Kleinfunden. Aufzeichnungen berichten von solchen in Sturmberg, Birchbau und der Weizklamm. Hier bargen Höhlenforscher aus Weiz aus einer etwa 50 Meter über dem Bachbett liegenden und schwer zugänglichen Höhle ein römerzeitliches Vorratsgefäß. Wahrscheinlich diente die Höhle in Kriegszeiten als Zufluchtsstätte, zumal auch in der Weizklamm weitere Tongefäße, Bronzemünzen, eine Fischangel und ein Fischstecher aus Eisen gefunden wurden.

Wie weit die römerzeitliche Besiedelung in die Bergtäler und auf die Höhen vorgedrungen war, beweisen in das Mauerwerk bäuerlicher Wirtschaftsgebäude eingefügte Römersteine in Ponigl 22 bei Fladischer-Karrer und in St. Kathrein am Offenegg bei Ambros Pieber vlg. Prem. 1973 deckte ein Caterpillar bei Erdarbeiten beim Ofner-Kreuz in Offenegg in etwa 1000 m Seehöhe eine römische Grabstelle auf. Der nördlichste Römerstein im Bezirke Weiz stammt aus Piregg. Es ist der Grabstein den ADVENTVS, Sohn des Sireni, und SIRICA, Tochter des Secundus, für sich und den Sohn Meridianus hatten errichten lassen.
Im Weiler trog bei Anger fand man beim Sternbauer mitten im Wald einen Grabstein, den einst VINDIO seiner Gattin Emerita, seinen Eltern Ittu und Successa, beide 80 Jahre alt, und seinem Bruder Dubitatus errichtet hatte.
An der Pfarrkirche Anger ist ein Grabstein eingemauert, der 1866 aus dem Acker des Erhard terler in Sosegg ausgebaut wurde. VALERIUS, Sohn des Togo, setzte ihn seiner Gattin Vibennia. Ein anderer Römerstein bildete lange die Schwelle eines Hauses in der Grazerstrasse von Anger. Nach der Volksüberlieferung zog ein römischer Saumweg von der Vierzehn-Nothelferkirche über den Rabenwald nach Pöllau. An ihm stand ein römischer Meilenstein. Nördlich wurde in Rabendorf gleichfalls ein Grabstein gefunden.

In Floing fand sich in der Nähe von längst geöffneten Grabhügeln ein im Hause Nr. 50 eingemauerter Grabstein. In Baierdorf wurde ein dreiteiliger Stein gefunden, der heute im Joanneum in Graz verwahrt wird.

Auch der Passailer Kessel weist manche Zeugen römischer Besiedelung auf, die wieder weiter ins Murtal führen.

Es war an dieser Stelle nicht möglich, auf alle Funde und Einzelheiten einzugehen. Es sollte nur ein Hinweis auf die weitgehende römerzeitliche Kolonisation, die Besiedelung und Kultur im Weizer Raum in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten gegeben werden. Aber schon um die Jahrhundertwende fielen die Markomannen von Norden her in das Reich ein und verwüsteten weite Gebiete. Vielleicht weist der Weihestein in Thannhausen an den Gott Jupiter, den Feindesabwehrer, auf die Kriegsgefahr hin. Immer unruhiger wurden die Zeiten, immer mehr sank die römische Reichsgewalt bis sie durch die Folgen der Völkerwanderung ganz versank.

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