Markturkunde aus 1507 von Kaiser Maximilian

Jahrmärkte in Weiz

Weiz besitzt das Recht, sechs privilegierte Jahrmärkte durch allerhöchste Verleihungen abzuhalten.

Der älteste Jahrmarkt am Kathreinstag wurde 1447 von Kaiser Friedrich III. beurkundet und stellt die Bestätigung einer alten, geübten Einrichtung dar. 1507 verlieh Kaiser Maximilian I. den Bürgern von Weiz den Jahrmarkt am St. Ulrichstag, der in der Folge mehrmals verlegt oder transferiert wurde und heute am Dienstag nach Ostern gehalten wird. Kaiserin Maria Theresia beurkundete am 31. Mai 1765 zwei Jahrmärkte und freie Kirchtage „als zu dem St. Anna Tag und den Sonn Tag nach Maria Geburt jeden Jars“. Jedoch durfte duch diese Jahrmärkte den benachbarten Ortschaften nicht der mindeste Nachteil erwachsen. Die Kaiserin stellte die zwei neuen Jahrmärkte und Kirchtage unter ihren gebührenden Schutz und des Inner – Ästerreichischen Guberniums.

Kaiser Josef II. bestätigte am 7. April 1784 mit einem Pergament die bereits bestehenden Jahrmärkte und erneuerte sie. Außerdem verfügte er, daß die Märkte nicht an einem Sonn- oder Feiertag abgehalten werden sollen, sondern an einem Werktag davor oder danach.

Das letzte Diplom mit der Verleihung von zwei Jahr- und Viehmärkten stellte Kaiser Ferdinand I. von Ästerreich am 26. November 1839 der „Marktgemeinde Weitz im Grätzer Kreis“ aus. Es berechtigt zur Abhaltung von zwei Jahr und Viehmärkten am 16. Mai und 15. Oktober eines jeden Jahres, die der Kaiser unter seinen landesfürstlichen Schutz stellte.

Heute finden neben den Wochen- und Bauernmärkten noch vier Jahr- oder Krämermärte statt, und zwar: Am Osterdienstag, am 26. Juli (Anna-Tag), am 15. Oktober (Theresi-Tag) und am 25. November (Kathrein-Tag). Die Jahrmärkte am 16. Mai und am Montag nach dem Maria – Names – Tag wie die Viehmärkte am Montag in der Mittfastenwoche und am Medardi-Tag (8. Juni) werden nicht mehr gehalten.

Am ehemaligen Viehmarktplatz befinden sich heute die Liegenschaften des Kunsthandwerkszentrums. Nicht immer werden die Jahrmärkte von zufahrenden Handwerkern und Handelsleuten reich beschickt gewesen sein. In der Notzeiten der Türkenkriege und der Pestjahre war das Befahren der Jahrmärkte eingeschränkt, auch wird das Warenangebot nicht sehr umfangreich gewesen sein.

1580 wurde ein Verbot für Hartberger Marktfahrer erlassen, als die Stadt unter Pestinfektionsverdacht stand. Daß man bei der Mautstelle auch öfters mit Schmugglern zu tun gehabt haben wird, beweisen die in einem Inventarverzeichnis des Rathauses enthaltenen Eisenstangen zum Durchstoßen von Heu- und Strohfuhren nach versteckter Ware.

Wie vielfältig das Warenangebot der örtlichen und zufahrenden Handwerker und Handelsleute war und wie differenziert das Handwerk bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts wurde, zeigt der „Tarif über die an den der Marktgemeinde Weiz bewilligten Jahr- und Viehmärkte abzunehmenden Standgelder“ der Bezirksbehörde Thannhausen. Das Verzeichnis weist Standgelder für Stände folgender Handwerker aus: Weißgerber, Hutmacher, Hackenschmied, Bohrerschmied, Ringel- oder Kettenschmied, Kupferschmied, Nagelschmied, Messerschmied, Pfannenschmied, Schlosser, Klampferer (Spengler), Lebzelter, Siebmacher, Kammacher, Schuhmacher, Patschenmacher, Haubenmacher, Kotzenmacher, Handschuhmacher, Schnürmacher, Schneider, Seiler, Riemer, Sattler, Seifensieder, Kürschner, Drechsler, Strumpfwirker, Lederer, Feilenhauer, Buchbinder, Deckenmacher, Hafner, Bürstenbinder, Schleifer, Tuchmacher, Bäcker und Zinngießer. Dazu kommen noch die Stände der Kaufläute, Krämer und Händler mit Schnittwaren, Galanteriewaren und Sametuchhändler. Ferner gab es Stände mit Glaswaren, mit Uhren von Silber, Gold und Tomback (Messinglegierung), mit Uhren aus Holz, ferner mit Loden und Tüchern, mit Zeug und Leinwand, mit Teppichen, mit Bildern, mit Kurzwaren, mit Wetzsteinen und mit Berchtesgadner Ware. Aber auch für die Bedürfnisse der Landwirtschaft waren Handelsstände auf dem Markt, so mit Schäffern, Rechen und Heugabeln, Sensen und Sicheln, mit geschmiedeter Ware, mit Spinnrädern und mit Spezereien. Für einen Korb mit Wurzeln, Kräutern, Zwiebel und Knoblauch konnten zwei Kreuzer, für einen Korb mit Trischel und Schuhriemen vier Kreuzer, für einen Wagen mit bst 18 Kreuzer Standgeld eingehoben werden. Bei den Ständen unterschied man noch zwischen einem großen und einem kleinen Stand, ferner den Bodenstandler mit Betten, Spiegeln und Hemdknöpfen. Es gab auch den Trödler mit Altwaren auf dem Markt. Die Markttage vollziehen sich wie vor Jahrhunderten. Mag sich das Warenangebot im Laufe der Zeit den jeweiligen Bedürfnissen entsprechend geändert und angepasst haben. Wer erinnert sich aber, daß diese Märkte auf gegebene und verbriefte landesfürstliche Verleihungen von Königen und Kaisern begründet sind?

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